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Letzte Aktualisierung dieser Seite am: 17.02.2009
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Besprechung: Torsten Bewernitz: „Die neuen Streiks“, Münster 2008 Im von Torsten Bewernitz herausgegebenen Buch „Die neuen Streiks“ sind insgesamt 10 Beiträge enthalten, welche sich mit dem aktuellen Streikgeschehen vor allem in Deutschland auseinandersetzen und diese analytisch beleuchten. Zu nennen sind vor allem der Streik der „Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer“ (GDL) 2007, der Streik bei Opel 2004 und der bei Gate Gourmet 2005/06. In anschließenden Beiträgen im zweiten Teil des Buches, sowie im mit weiteren markanten Streikbeispielen illustrierten ersten Beitrag von Bewernitz selbst, „Die Zukunft des Konzepts Streik“, gibt es dann ein zusammenfassendes Resume und so manch einen Ausblick auf die Zukunft von Arbeiterkampfmaßnahmen. Eine Stärke im Buch liegt auch darin, dass Produktionsverhältnisse und Aktivitäten außerhalb der klassischen Lohnarbeit im engeren Sinne beleuchtet werden. Hervorragend und neue Einblicke gebend lesen sich diesbezüglich die Beiträge von Folkert Mohrhof: „Das ‚strike-bike’ aus Nordhausen“, Markus Lawrenz: „Arbeitskampf im World Wide Web“, welches das Internetportal „Chef-Duzen“ vorstellt, und in besonderem Maße erhellend pointierend Stefan Paulus: „Von der Reproduktion her denken – Geschlechterverhältnisse, Gebärstreiks, Hausarbeitstreiks und Identitätsstreiks“. Lohnarbeit wird hier gut übersichtlich zusammengefasst erklärt nicht nur als eine Sache, die sich im Betrieb abspielt, sondern in hohem Maße auch im Reproduktionsbereich, besonders private Haushalte betreffend. Weiterführende Perspektiven zur Selbstorganisation außerhalb der zentralistischen „Gewerkschaften“, beispielsweise des DGB, werden dagegen wenig aufgezeigt. Im Gegenzug wird dem Syndikalismus als Alternative dazu unrichtigerweise nachgesagt, der Streik sei für ihn eine rein ökonomische Kategorie, um dann im syndikalistischen Sinne sprechend Karl Heinz Roth vorstellen zu können, welcher in mancher Beziehung jedoch hinter der syndikalistischen Theoriebildung zurückfällt, oder diese in machen Teilen still adaptiert, ohne sie als syndikalistisch zu benennen. Eine Beschäftigung mit dem „Syndikalistischen Frauenbund“ oder den Schriften anarcho-syndikalistischer Theoretiker, beispielsweise Siegfried Nacht, Fritz Dettmer, Raphael Friedeberg, Rudolf Rocker, um nur einige zu nennen, hätte völlig ausgereicht, um zu erkennen, dass der Syndikalismus den Streik umfassend und über manche heutige Theoretiker hinausgehend zu betrachten vermag. In die selbe Richtung gehend, den Syndikalismus als unzulänglich vorzustellen, ist die in manchen Buchbeiträgen nach Maßgabe Karl Heinz Roths durchschimmernde Überzeugung, den DGB basisdemokratisch beeinflussen oder gar reformieren zu können. Eine markante Ausnahme dabei bildet der Beitrag von Folkert Mohrhof zu „Strike Bike“ im Thüringischen Nordhausen 2007, welcher nicht nur die legendär gewordene Fabrikbesetzung und Fortführung der Produktion von Fahrrädern in Eigenregie der etwa 200 ArbeiterInnen zum Thema hat, sondern exemplarisch die unlauteren Machenschaften der IG-Metall der Belegschaft gegenüber veranschaulicht und in eine generelle Kritik an zentralistischen „Gewerkschaften“ einbindet. Als Zeitdokumente sind alle Beiträge dieses Buches lesenswert für den aktuellen Stand der Diskussion um die Zukunft von Streiks und Arbeiterselbstverwaltung. Die Fallbeispiele sind kompetent dargestellt, und die zusammenfassenden Beiträge geben reichlich Stoff zum weiterdenken, gerade weil sie von der konkreten aktuellen Praxis ausgehen, die uns direkt oder indirekt alle betrifft. Zum Weiterlesen möchte ich dennoch die oben angedeutete syndikalistische Theoriebildung empfehlen, da diese in sich schlüssig und umfassend ist. H.D. für www.syndikalismusforschung.info Torsten Bewernitz: Die neuen Streiks, Münster 2008, Unrast Verlag, 190 Seiten, 14,80 Euro, ISBN-13: 978-3-89771-480-9 Inhalt:
Torsten Bewernitz Werbetext "Der
Streik kehrt zurück« titelte die anarchosyndikalistische »Direkte Aktion«
bereits 2006. Der einjährige Streik bei dem Flughafen-Caterer ›Gate Gourmet‹,
die Streiks der Bosch-Siemens-Haushaltgerräe in Berlin, bei AEG, der wilde
Streik 2004 bei Opel Bochum und viele andere Beispiele scheinen das zu
bestätigen. Auch nach 2006 hat es das Phänomen Streik mit den Arbeitskämpfen
bei der Telekom und insbesondere mit dem Arbeitskampf der GDL in die Medien
geschafft. |
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